Im konventionellen Markt ist Lohn eine Kostenposition, die im Produktpreis weitergewälzt wird. Jede Lohnerhöhung verteuert das Produkt. Faire Löhne und günstige Preise widersprechen sich strukturell – das ist kein Versagen des Marktes, das ist seine Logik. Im Back to Balance System gilt das intern nicht.
Der gemeinsame Pool
Alle Einnahmen fließen in einen gemeinsamen Pool. Was früher an Fixkosten alleine getragen werden musste, wird jetzt kollektiv getragen. Wer alleine 1.000 Euro verdient, zahlt davon selbst alle Kosten. Wer im Pool 1.000 Euro verdient, trägt dieselben Kosten gemeinsam mit anderen – und bekommt dafür Einkaufspreise auf alles, was im System verfügbar ist.
Der interne Produktpreis deckt nur externe Materialkosten – er enthält keine Arbeit. Arbeit wird durch den Pool vergütet, Güter kosten nur ihren tatsächlichen Materialeinkaufspreis. Je höher der Stundensatz steigt, desto mehr verdient jeder – und die internen Produkte werden trotzdem nicht teurer. Die reale Kaufkraft steigt überproportional mit jedem neuen Angebot im System.
Dreiteilung des Pools
Der erwirtschaftete Überschuss wird in drei gleiche Teile geteilt:
Vergütung – fließt als Coin-Rücklage an die Mitglieder. Kein Beruf ist mehr wert als ein anderer.
Reinvestition – Fixkosten, Infrastruktur, Wachstum. Steuerberater, Versicherung, Software – alles wird vom System getragen.
Sozial- und Öko-Anteil – Solidarfonds, Gemeinschaftsprojekte, ökologische Initiativen. Ein System, das nur sich nährt, hat keine Zukunft.
Gleicher Stundensatz
Eine Stunde ist eine Stunde. Wer kocht, wer baut, wer heilt, wer lehrt, wer pflegt, wer programmiert – alle erhalten denselben Stundensatz. Das ist nicht nur ein wirtschaftliches Modell – es ist eine Aussage darüber, was Arbeit bedeutet und wer Würde verdient. Der angestrebte Ziel-Stundensatz beträgt 20 Euro netto – ein Durchschnittswert aus Unterschicht- und Mittelschichtlöhnen in Deutschland, der ein gutes Leben ohne Luxus ermöglicht.
Der BtB-Coin
Ein BtB-Coin entspricht immer genau einer geleisteten Stunde. Dieser Grundsatz ist unveränderlich. Jeder Coin-Eintrag trägt den Euro-Abrechnungswert der Periode, in der er verdient wurde – das verhindert Spekulation durch Horten.
Intern kauft man mit Coins alles zum Einkaufspreis – Lebensmittel, Dienstleistungen, Wohnen. Wer Euro braucht, beantragt eine Auszahlung zum historischen Abrechnungswert. Jeder ausstehende Coin ist eine Verbindlichkeit der Genossenschaft – der Eurogegenwert ist jederzeit zur Auszahlung verfügbar.
Im Japanischen gibt es ein Wort, das vor jeder Mahlzeit gesprochen wird: Itadakimasu – wörtlich: Ich empfange demütig. Ein Dank an alle, die je beigetragen haben. Das Wirtschaften mit dem Coin als Zeitverrechnung ist gelebtes Itadakimasu.
Der EK-Preis-Vorteil
Der Kaufkraftgewinn durch EK-Preise ist keine Theorie. Er entsteht, weil Lohn und Produktpreis entkoppelt sind: Arbeit wird durch den Pool vergütet, Güter kosten nur ihren tatsächlichen Materialeinkaufspreis. Wer im System lebt, kauft nie zum Marktpreis – und das gilt für alle internen Leistungen und Produkte: Lebensmittel, Handwerk, Körperarbeit, Unterricht, Reparaturen, Wohnen, Technik. Die reale Kaufkraft steigt überproportional mit jedem neuen Angebot – denn jede weitere intern verfügbare Leistung reduziert die Abhängigkeit vom externen Markt und verstärkt den Effekt aller anderen internen Angebote. Für Menschen auf Bürgergeld ist das transformativ: 100 Euro Ersparnis bei 563 Euro Einkommen bedeuten 18 % mehr Kaufkraft – ohne einen einzigen Euro mehr zu verdienen.
Warum es für Geringverdiener am stärksten wirkt
Wer 563 Euro hat, gewinnt durch EK-Preise 100 Euro – das ist transformativ. 18 % mehr Kaufkraft, ohne einen Euro mehr zu verdienen. Das System ist kein Luxus für Menschen, die es sich leisten könnten, allein zu sein. Es ist eine Struktur, die für Menschen gebaut wurde, die es sich nicht leisten können.
Warum auch die Mittelschicht gewinnt
Eine Fachkraft mit 22 Euro brutto pro Stunde hat am Ende des Monats etwa 15 Euro netto. Im BtB-System erhält sie 20 Euro netto – und kauft alles intern zu Einkaufspreisen: Lebensmittel, Handwerk, Wohnen, Dienstleistungen. Die reale Kaufkraft steigt weit über das hinaus, was im konventionellen System möglich wäre. Der Effekt: Weniger Arbeitsstunden für denselben Lebensstandard – oder derselbe Aufwand für deutlich mehr Lebensqualität. Je mehr Menschen aus der Mittelschicht dem System beitreten, desto breiter das Angebot, desto stärker die kollektive Wirtschaftskraft – und desto überflüssiger wird ein System, das auf Konkurrenz und Gewinnmaximierung gebaut ist.
Modellrechnungen – geht die Rechnung auf?
Wenn das System voll ausgebaut ist, decken 47 Stunden im Monat bei 20 €/h die gesamte Lebenshaltung – Lebensmittel für 90 statt 380 Euro, Wohnen für 380 statt 850 Euro. In der Aufbauphase, solange Miete und Nebenkosten noch extern anfallen, braucht es mehr Stunden – wie in jedem anderen Arbeitsverhältnis auch. Bei 20 €/h netto und Vollzeit sind das 3.460 € im Monat – genug für Marktmiete, Lebenshaltung und Rücklagen. Sobald eigene Immobilien verfügbar sind, sinkt der externe Kostendruck und die benötigte Stundenzahl nähert sich dem Zielwert von 47 Stunden.
Die Genossenschaft als Megafirma
Was nach außen wie eine kleine Gemeinschaft aussieht, ist nach innen eine juristische Person mit der vollen Marktmacht eines großen Unternehmens. Eine Betriebshaftpflichtversicherung für alle. Ein Bio-Zertifikat für die Genossenschaft als Ganzes. Demokratische Struktur als Schutz vor externer Übernahme.
Die Genossenschaft ist die älteste und bewährteste Form kollektiver Selbsthilfe in Deutschland – von der UNESCO zum immateriellen Weltkulturerbe erklärt. Back to Balance nutzt diese Form nicht aus Tradition, sondern weil sie funktioniert.